3. Quartal 2007


WM in Stuttgart
Sontag, 30. September 2007 00:00
Als ich mir am Montagnachmittag die Zeitfahrstrecke anschaute, war mir klar, dass es die schwerste WM Strecke war, die ich in meiner Karriere gesehen hatte. Es waren fast doppelt so viele Höhenmeter zu überwinden wie in Bardolino oder Madrid. Die Abfahrten waren schnell und kurvenreich. Es gab keine langen Abschnitte, wo ich meine Rollerqualitäten ausspielen konnte. Ich kenne meine Stärken und war realistisch. Trotzdem war ich zuversichtlich, ein gutes Rennen zeigen zu können. Wir hatten am Mittwoch Glück mit dem Wetter. Es war trocken bei 12 Grad. Ich startete als Zweitletzte. Meinen Rhythmus fand ich nie. Als ich bei der ersten Zwischenzeit meinen Rückstand erfuhr, war ich bereit zu kämpfen. Ich versuchte wirklich, mein Bestes zu geben. Bei den kühlen Temperaturen habe ich muskulär immer ein schlechtes Gefühl. Als ich ins Ziel kam, war ich enttäuscht. Es ist nicht einfach, innert wenigen Minuten die richtigen Gründe für die schlechte Leistung zu finden. Mit etwas Abstand ist mir klar, dass der Hauptgrund die Saisonplanung war. Es war das erste Jahr, wo ich voll auf den Radsport setzte und demzufolge viele Radrennen fuhr. Ich gönnte mir keine Pause während der ganzen Saison, die im Dezember mit der Vorbereitung für den Bahnweltcup begann. Dazu kommen noch viele Kleinigkeiten, die auch nicht ideal waren. Ich bedanke mich für die vielen aufmunternden SMS, Mails und Gespräche. Herzlichen Dank auch an alle, die mich in Stuttgart an der Strecke anfeuerten! Sorry, dass es nichts zu feiern gab.. Gestern startete ich beim Strassenrennen. Ich verspasste anfangs der letzten Runde meine Chance, ein Angriff zu lancieren. Danach verlor ich am steilen Anstieg mit 17% den Anschluss und kam mit einer kleinen Gruppe mit mehr als 2 Minuten Rückstand ins Ziel. Jetzt ruhe ich mich einige Tage aus, bevor ich mich auf die beiden Weltcuprennen auf der Bahn in Sydney und Peking vorbereite. Bis dahin lässt sicher auch das frustrierte Gefühl nach.
 
Höhentraining / Weltcup Plouay / Zeitfahren
Dienstag, 18. September 2007 00:00
Bis zum 28. August war ich im Engadin. Dieses Jahr ist es mir gelungen, mich optimal anzuklimatisieren. In der zweiten und dritten Woche machte ich einige Einheiten an der Schwelle sowie viel Kraftausdauer auf dem Rad. Regelmässig benutze ich den offiziellen Kraftraum beim Eisstadion in St. Moritz. Das Wetter war nicht immer ideal. Trotzdem konnte ich mein Trainingsprogramm durchziehen. Die schönste Ausfahrt war die Reschenpass-Ofenpass Runde. Auch im Thermalbad in Scuol besuchte ich zusammen mit Pascal einmal. Die Tage verfolgen wie im Flug und ich genoss die gemeinsamen Nachtessen mit den anderen Athleten. Es gab immer interessante Gespräche. Jeweils einmal pro Tag war es ein wenig hektisch, wenn ich versuchte, die Standseilbahn nach Muottas Muragl zu erwischen. Sie fährt zweimal pro Stunde. Da ich nicht gerne warte, war es jeweils knapp kalkuliert. Ich verpasste die Bahn aber nur einmal! Zweimal fuhr ich ins Unterland. Einmal an den GP Oberbaselbiet, wo ich ziemlich platt war, da ich am Vortag Flüela-Albula gefahren bin. Zu mehr als Mitrollen reichte es nicht. Der andere Anlass war der Gentlemen GP, ein Paarzeitfahren in Dübendorf. Zusammen mit Ruedi Koradi von der Firma PGMM (meinem Hauptsponsor) stellte ich Bestzeit auf. Es war toll, wieder einmal auf dem Zeitfahrrad zu sitzen. Am 30. August flogen wir nach Plouay, wo am Samstag ein Weltcuprennen auf der Strasse stattfand. Es war eine selektive Strecke und das Feld war mit 160 Fahrerinnen sehr gross. Ich kam mit dem Feld (oder was davon übrig blieb) ins Ziel. Nicole Cooke befand sich in der Spitzengruppe und wurde Zweite. Da ich erst am Sonntagnachmittag nach Hause flog, ging ich vor dem Frühstück eine Runde Laufen. Es lief erstaunlich gut, obwohl ich im Engadin nie zu Fuss unterwegs war. Am 9. September startete ich in Italien an einem Zeitfahren. Es fand in der Nähe von Bergamo statt – eine wunderschöne Gegend. Die Strecke hatte viele Kurven und der 2. Teil war auf schmalen Strassen. Deshalb wurden Smarts als Begleitfahrzeuge benutzt. Wir mussten 3 Runden à 7.8 km fahren. Ich war mit dem neuen Zeitfahrlenker von Andy Walser unterwegs. Ich war etwas müde von den harten Belastungen vom Freitag und Samstag, konnte aber meine Möglichkeiten ausschöpfen. Ich gewann das Zeitfahren mit 19 Sekunden Vorsprung. Ein schöner Sieg! Die letzte Woche war dann mit dem Besuch einer Messe in Bern sowie zwei Fotoshootings (Skoda und Swiss Olympic) ziemlich verplant. Das Training hatte aber Priorität und so kam es, dass ich am Donnerstagmorgen um 6:30 Uhr auf meinem Ergometer sass… Am Samstag fuhren wir nach Frankreich, wo ich am Sonntag am Chrono Champenois teilnahm. Es war ein Zeitfahren über 33.4km. Ich war bereits das vierte Mal am Start. Ich entschied mich, das Zipp 808 Vorderrad zu fahren, obwohl es sehr windig war. Die ersten Kilometer hatten wir Rückenwind, danach Seite- oder Gegenwind. Ich fand einen guten Rhythmus. Mit 7 Sekunden Vorsprung auf Amber Neben gewann ich. In den letzten Tagen bin ich viele kraftorientierte Intervalle gefahren. Mit Einheiten hinter dem Töff versuche ich nun, die Kraft umzusetzen. Es sind nur noch wenige Tage bis zur WM. Ich bin gesund und habe gut trainiert.
 
2. Rang am Weltcuprennen in Schweden
Donnerstag, 09. August 2007 00:00
Wir flogen am Samstagmorgen nach Kopenhagen. Von dort ging die Reise weiter nach Vargada in Schweden ca. 80km von Göteborg entfernt. Der Start zum 132km langen Strassenrennen war am Sonntag um 13 Uhr. Es waren 12 Runden à 11 Kilometer. Die Strecke sagt mir eigentlich nicht zu, denn es hat viele enge Passagen und Kurven. Die längste Steigung ist einige 100m lang mit 5 Steigungsprozenten. 10 Minuten vor dem Start begab ich mich zur Startlinie – und war bereits die Letzte von den 100 Athletinnen. Schon nach wenigen Kilometern formierte sich eine Spitzengruppe mit 3 Fahrerinnen unter anderem Nicki von unserem Team. Ich hatte die ersten 3 Runden Mühe, eine gute Position im Feld zu finden. Nach der einzigen längeren Steigung fiel das Feld immer auseinander. Ab der vierten Runde beteiligte ich mich auch am Renngeschehen :-). Anfangs der 6. Runde wurde das Spitzentrio eingeholt. Als Chantal Beltmann aus einer kleinen Gruppe nach der Steigung attackierte, ging ich mit. Wir hatten schnell einen Vorsprung und das Feld reagierte nicht sofort. Wir harmonierten gut. Aber es waren noch über 60km zu fahren! Nach zwei Runden war unser Vorsprung auf über 2 Minuten angewachsen. Meine Beine wurden von Runde zu Runde schwerer. Bei der letzten Zieldurchfahrt realisierte ich, dass wir es schaffen könnten. Ich hatte aber auch gemerkt, dass Chantal einiges Stärker war an der Steigung und mich wahrscheinlich in der letzten Runde abhängen wird. So kam es auch. Ich bin aber mit dem Resultat sehr zufrieden. Vor allem boten wir den zahlreichen Zuschauern eine tolle Mannschaftsleistung. Dank der Ausgangslage, dass sich Nicole Cooke für den Gesamtweltcup vor allem auf Marianne Vos konzentrieren musste, hatten wir als Team verschiedene Möglichkeiten. Am Montag ging es wieder zurück nach Hause. Schon am Dienstagabend reiste ich ins Engadin. Ich fühle mich hier auf Muottas Muragl wie zuhause! Der Hammer ist, dass wir im ganzen Hotel Wireless haben – und das auf 2456 müM. Gestern machte ich die erste Runde über zwei kleine Pässe. Das Wetter blieb trocken. Heute hat es mich verregnet. Die Temperaturen sind auch kühler als gestern. Aber das ist kein Problem, ich habe die Thermohosen eingepackt. Ich werde bis am 30. August im Engadin bleiben.
 
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